Der gepfleckte Schierling (Conium maculatum) ist eine Gift-Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

In der Antike wurde das Gift als Schierlingsbecher für Hinrichtungen und Suizide verwendet. Prominentestes Opfer ist der Philosoph Sokrates.

Schierling ist auch Bestandteil einiger Rezepte für Hexensalben, wegen seiner starken Giftigkeit scheint eine tatsächliche Verwendung aber als zweifelhaft. Zum Teil kam es im Mittelalter zu Verwechslungen mit dem ebenfalls sehr giftigen Wasserschierling.


Wirkstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirkstoffe des gefleckten Schierlings werden als Coniumalkaloide zusammengefasst. Das Hauptalkaloid ist Coniin, welches als Nervengift vor allem mit Acetylcholin-Rezeptoren wechselwirkt.

Weitere Alkaloide sind γ-Conicein (als Vorstufe von Coniin), Conhydrin, Pseudoconhydrin und Methylconiin.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Stelle des Kontaktes mit dem Gift kommt es zu einem Brennen. Coniin kann durch die geschlossene Haut dringen.

Coniin bewirkt zunächst eine Erregung von Neuronen mit Acetylcholin-Rezeptoren, welche in Folge der Dauerpolarisation zu einer Hemmung dieser Neuronen führt. Es kann zu erhöhten Speichelfluss, Übelkeit (Nausea), Erbrechen und Durchfall kommen. Anfänglich treten Pupillenverengung (Miosis), Herzrasen (Tachykardie) mit erhöhtem Blutdruck (Hypertonie) und beschleunigte Atmung (Tachypnoe) auf, welche später in ihr Gegenteil umschlagen (Mydriasis, Bradykardie mit Hypotonie, ggf. Schock und Bradypnoe oder Dyspnoe).


Die motorischen Endplatten werden blockiert, was zu einer Muskellähmung führt. Letztendlich tritt der Tod durch eine Atemlähmung ein, welche vom Betroffenen meist bei vollem Bewusstsein erlebt wird.

Verwandte Gifte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cholinergika
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Acetylcholin-Agonist Acetylcholin Parasympathomimetika
Muskarin-Agonist Betelnuss, Muskarin
Nicotin-Agonist Cytisin(Gemeiner Goldregen), Nicotin(Tabak)
Acetylcholin-Antagonist
Anticholinergika
Coniin (Gefleckter Schierling), Diphenhydramin Parasympatholytika, Delirantia, Antiemetika, Neurotoxine
Muskarin-Antagonist Atropin, Hyoscyamin(Delirante Nachtschattengewächse: Alraune, Bilsenkraut, Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche, Schwarze Tollkirsche, Tollkraut), Piturin, Scopolamin, Tropicamid
Nicotin-Antagonist Strychnin (Curare, Ignatius-Brechnuss, Gewöhnliche Brechnuss), Tubocurarin, Toxiferin
Cholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin, Linarin (Echter Baldrian), Physostigmin, Rivastigmin, Tacrin, Thebain Antidementiva
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