Archetypen bezeichnet im Jungianismus Urbilder bzw. Urformen, welche im kollektiven Unbewussten, einem von allen Menschen geteilten Bereich des Unterbewusstseins, existieren sollen. Das Archetypen-Konzept wird wie das kollektive Unterbewusste von wissenschaftlicher Seite zumeist abgelehnt, da die Existenz weder bewiesen noch widerlegt (mangelde Falsifizierbarkeit) werden kann.

Der Begriff ist häufig relativ schwammig definiert, was zur Verwirrung führt. Es findet deshalb meist eine weitere Abgrenzung statt zwischen:

  • latenten Archetypen ("Archetypen", im eigentlichen Sinne), welche kaum erkennbar im kollektives Unterbewusstsein vorliegen,
  • manifesten Archetypen (archetypische Bilder), welche die bewussten Abbilder der latenten Archetypen sind, aber nicht im kollektiven Unterbewusstsein vorliegen.

Als Quelle zur Bestimmung von Archetypen wird häufig die Interpretation von jeder Art von Erzählung, wie etwa Mythen, Märchen, Religion, oder etwa Träumen, Triperfahrungen, esoterische Lehren (Alchemie, Astrologie) herangezogen. Beispielsweise werden antike Götter häufig als manifeste Archetypen betrachtet.

Das Archetypenkonzept steht vielfach in der Kritik. Es ist unklar wie Archetypen entstehen oder ob und wie sie sich entwickeln. Das Konzept ist sehr ähnlich zu dem des "Stereotyps", bei dem Vorurteile bzw. Rollenbilder durch Erfahrungen bzw. Erzählungen entstehen, das Konzept des Stereotyps kommt aber im Gegensatz zum Archetyp völlig ohne metaphysische Spekulationen aus. Von feministischer Seite wird das Archtypenkonzept häufig dafür kritisiert, dass es die geltenden Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit als eine im kollektiven Unterbewusstsein verankerte und damit universell gültige Konstante betrachte. Allgemein lässt sich die Theorie der Archetypen dafür kritisieren, dass sie eng im traditionellen westlichen Gesellschaftsbild verankert ist und z.B. dabei Familienformen die nicht dem klassischen Vater-Mund-Kind-Schema folgen, wie man sie etwa bei den Mosuo in China findet, nicht erklären kann oder, etwa bei modernen Patchworkfamilien, sogar für krankhaft erklärt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charakterarchetypen
    • Animus - das Männliche
    • Anima - das Weibliche
    • Schatten - das Verdrängte
    • Mutter - positives Mutterbild (Isis, Hera, Kybele, Parvati, Maria von Nazaret)
    • Todesmutter - negatives Mutterbild (Hexe, Femme Fatal, Stiefmutter im Märchen)
    • Weiser Mann - positiver erwachsener Mann (Guter Zauberer, Guter Vater, christlicher Gott)
    • Böser Zauberer - negativer erwachsener Mann (Trixter, Teufel, Räuber, Schwarzer Ritter)
    • Held (Herakles, Jesus, Weißer Ritter)
  • Konzeptarchetypen
    • Heldenreise
    • Gut
    • Böse

Psychonautik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Psychonautik findet das Archetypenkonzept zuweilen Anwendung in der Deutung von Erfahrungen, insbesondere der Traumdeutung oder der Deutung von durch Drogen erzeugten (Pseudo-)Halluzinationen.

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