Als Abstinenzparadigma wird bei Drogen die Auffassung bezeichnet, nach der nur völlige Abstinenz von Drogen angestrebt werden dürfe und entsprechend Drogenpolitik und Drogentherapien ausgerichtet werden müssen.

Das Abstinenzparadigma steht im Gegensatz zum Akzeptanzparadigma (auch als "Harm reduction", also Schadensminimierung, bezeichnet), welches den Drogenkonsum als Gegebenheit anerkennt und versucht, dessen schädlichen Effekte zu reduzieren.

Argumentationsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Abstinenzparadigmas ist den gesellschaftlichen Schaden des Drogenkonsums, insbesondere der Drogensucht, dadurch zu verhindern, dass man den Drogenkonsum vollständig beendet.

Gemäß lerntheoretischer Ansätze wird als Hauptgrund für die Entwicklung der Sucht der Konsum von Drogen angesehen (Expositionstheorie), welcher durch positive Erfahrungen zu einer Konditionierung führt. Das Gehirn wird hierbei so verändert, dass es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (Abhängigkeitspotential) zur Sucht kommt. Einzige prophylaktische Maßnahme könne also nur die Verhinderung des Erstkonsums sein.

Nach der anfänglichen Suchtentwicklung sei die "Drogenkarriere" des Konsumenten vorgezeichnet: Die Sucht würde sich zunehmend verstärken (Dosiseskalation) und zum gesellschaftlichen Absturz des Konsumenten führen, wenn dieser nicht durch seinen Leidensdruck Hilfe suche und letztlich wieder abstinent würde. Die Sucht selbst wird als unheilbare Krankheit angesehen, welche sich lediglich unterdrücken ließe.

Auf Basis der inzwischen überholten Einstiegsdrogen-Hypothese wird auch die Abstinenz von weichen Drogen gefordert, da diese zum Konsum härterer Drogen führen würde.

Schadenssteigerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Abstinenzparadigma befürwortet oft auch Maßnahmen zur Steigerung der schädlichen Folgen von Drogenkonsum für die Konsumenten.

So wird etwa die Kriminalisierung von Drogenkonsumenten gefordert um durch die Abschreckung Menschen vom Drogenkonsum abzuhalten.

Verwandte, die Angehörigen mit Drogenproblemen versuchen das Leben zu erleichtern, werden als "Co-Abhängige" pathologisiert und ihnen wird eine Mitschuld an einer Verschlimmerung der Sucht zugesprochen.

Während der Ethanol-Prohibition wurde sogar das Vergiften von Industrie-Ethanol praktiziert, um es für den Rauschkonsum unbrauchbar zu machen. Der Tod von Menschen, die dies trotzdem versuchen sollten, wurde hierbei billigend in Kauf genommen.

Konflikt mit Akzeptanzparadigma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter des Abstinenzparadigmas lehnen Maßnahmen im Sinne des Akzeptanzparadigmas häufig ab, weil sie die schädlichen Effekte von Drogenkonsum oft als ein legitimes Mittel zur Abschreckung betrachten. Dies betrifft insbesondere Substitution, Drugchecking und die Entkriminalisierung von Konsumenten.

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